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12.12.2011

Energiepolitisches „Kern“-Problem

Die Ereignisse in Fukushima haben die Welt erschüttert, die Folgen werden noch viele Jahre lang spürbar sein. Nicht nur wegen der radioaktiven Belastung, sondern auch wegen den Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte.

Schon die lediglich drei Tage nach dem Fukushima-Unglück von der Bundesrepublik Deutschland getroffene Entscheidung, bis zum Jahr 2022 aus der Kernkraft auszusteigen, wird aller Voraussicht nach massive Folgen auf den Strompreis in Deutschland und so manchem anderen Industrieland in Europa nach sich ziehen. Das Gefährdungspotenzial durch AKW-Unfälle wird dadurch allerdings nicht reduziert. Wie wird die rechnerische Leistungslücke von 18 Gigawatt aufgrund des Atomausstiegs geschlossen? Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Photovoltaik oder Windkraft wurde und wird in Deutschland vorangetrieben, kann aber die stillgelegten Atomkraftwerke bei weitem nicht ersetzen. Die Lücke wird wohl primär durch französischen und tschechischen Atomstrom geschlossen werden, es kommt zu einer Verlagerung der Atomstromproduktion in andere Länder und in weiterer Konsequenz zu einem Ausbau der Kapazitäten an Kohle- und Gaskraftwerken, wodurch Deutschland seine CO2-Einsparungsziele deutlich verfehlen wird. Der Strompreis wird durch die verstärkten Zukäufe jedenfalls deutlich steigen, was neben den privaten Haushalten auch die Industrie, hier wiederum die energieintensiven Industriezweige, empfindlich treffen wird. Das „Kern"-Problem dabei besteht im beabsichtigten Alleingang der Bundesrepublik. Bisher folgte nämlich kein anderes Land diesem Plan. Im Gegenteil. Weltweit sind derzeit 59 AKWs im Bau, 154 in Planung und 324 in Vorplanung. Deutschland werde also zum energiepolitischen Geisterfahrer, meinte Prof. Hans Werner Sinn, Chef des Münchner Ifo-Institutes, unlängst bei seinem Vortrag in Linz. Grundlegende Änderungen könnten jedoch nur durch eine gemeinsame, länderübergreifende und alle Energieträger einschließende Energiepolitik herbeigeführt werden. Die aktuell stark ideologisch geführte Diskussion über Autarkie-Ziele, begleitet von stark planwirtschaftlichen Elementen, führt in die falsche Richtung. Eine Meinung, die OMV-Generaldirektor Dr. Gerhard Roiss beim jüngsten Treffpunkt Wissenschaft im ORF-Landesstudio OÖ vollinhaltlich unterstrich.
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IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger
IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger