Sinkende Erwartungen
Konjunktur - Nach neun Quartalen mit jeweils besserem Geschäftsverlauf endete im 3. Quartal 2011 der wirtschaftliche Aufschwung in der OÖ-Industrie.Die jüngste Konjunkturumfrage, an der 100 Firmen mit insgesamt rund 98.800 Beschäftigten teilgenommen haben, bringt aufgrund der zahlreichen konjunkturellen Störfaktoren und der negativen Stimmung auf internationaler Ebene die erwartete Eintrübung. Konkret beurteilten dabei, gewichtet nach den Mitarbeiterzahlen, 56 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage mit „gut", 39 Prozent mit „befriedigend" und nur sechs Prozent mit „schlecht". Der Saldo aus Positivund Negativmeldungen hat sich gegenüber dem Vorquartal von +72 auf +50 Prozent reduziert. „Die aktuelle Geschäftslage kann damit weiterhin als gut eingestuft werden, wenngleich die hohen Werte des letzten Quartals nicht mehr erreicht werden konnten", so IV-OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch. Eine ähnliche Entwicklung zeigen die gemeldeten Zahlen über die Beurteilung des derzeitigen Auftragsbestandes (Saldo +47 Prozent nach +74 Prozent) und der Auslandsaufträge (Saldo +42 Prozent nach +68 Prozent).
Absturz der Erwartungskomponenten
Besonders drastisch wirkt sich das negative Umfeld der US-amerikanischen und europäischen Staatsschuldenkrise auf die Konjunkturerwartungen der Betriebe in Oberösterreich aus. Die Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten stürzt von einem Saldo von +29 Prozent im 2. Quartal 2011 auf -33 Prozent im 3. Quartal geradezu ab. Eine derart negative Erwartungshaltung gab es zuletzt im Dezember 2008. Von einer Verschlechterung der Geschäftslage berichten vorrangig die Metallindustrie, die Papier- und die Bauindustrie, während in der chemischen Industrie, im Maschinenbau und der Fahrzeugindustrie noch von einer stabilen Entwicklung ausgegangen wird. „Aus heutiger Sicht erwarten wir keinen erneuten Rückfall in eine Rezession wie im Herbst 2008, dennoch ziehen diese Zahlen eine erhebliche Bremsspur in der konjunkturellen Entwicklung Oberösterreichs. Eine kurzfristige Besserung der Situation ist nicht zu erwarten", so Haindl- Grutsch. Parallel zur Entwicklung der Geschäftslage zeigen auch die Produktionstätigkeit in drei Monaten (Saldo -32 Prozent nach +27 Prozent) und die Produktionskapazität in drei Monaten (-35 Prozent nach +28 Prozent) einen ähnlich negativen Verlauf. „In diesem Licht ist der überdurchschnittlich hohe Abschluss bei den Metaller-KV-Verhandlungen als sehr kontraproduktiv zu werten. Vor allem haben die vorschnellen Streiks auch einem wesentlichen Qualitätsfaktor des Industriestandortes - der Verlässlichkeit und Liefertreue - einen massiven Schaden auf internationaler Ebene zugefügt", betont der IV-OÖ-Geschäftsführer.
Abschwung am Arbeitsmarkt
Der scharfe Tempoverlust und die erwartete konjunkturelle Stagnationsphase finden auch am Arbeitsmarkt ihren Niederschlag. 43 Prozent (nach fünf Prozent im 2. Quartal) erwarten einen fallenden Beschäftigtenstand in den nächsten drei Monaten, nur mehr sieben Prozent planen eine Aufstockung des Personalstandes. Der Saldo reduziert sich von +28 auf -36 Prozent. Für Oberösterreich, das von Fachkräftemangel und negativen demographischen Entwicklungen stark betroffen ist, bleibt die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal dennoch weiterhin das primäre Problem.
Dringende Reformen
Angesichts deutlich verschlechterter konjunktureller Aussichten wiederholt die IV-OÖ erneut ihre Forderung nach strukturellen Reformen in Oberösterreich, wie es im Gesundheitsbereich sehr erfolgreich gelungen ist. „Seit der Lehmann-Pleite im Jahr 2008 predigt die Industrie gebetsmühlenartig die Notwendigkeit von ausgabenseitigen Reformen. Die Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa werden uns noch zehn Jahre lang beschäftigen, der Druck auf die öffentlichen Haushalte bleibt in den nächsten Jahren unverändert hoch", so Haindl-Grutsch. Die Forderungen der IV-OÖ nach nachhaltigen Reformen in der Verwaltung, insbesondere bei Gemeinden und BHs, bleiben aufrecht. „Eine „less-of-the same- Strategie" ohne strukturelle Veränderungen wird nicht ausreichen, um Oberösterreich zukunftsfit zu machen. Im Gegenteil sind zusätzlich zur Sanierung des Landesbudgets mehr Mittel in den Zukunftsbereichen Bildung und Forschung dringend notwendig", erneuert daher Haindl-Grutsch den Appell an die Landesregierung, die Reformanstrengungen zu verstärken und die parteipolitisch schwierigen, aber für eine nachhaltige Entwicklung des Landes unvermeidbaren Schritte zu setzen.


