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23.11.2011

Gewinne und Eigenkapital sind der Schlüssel zur Selbstbestimmung und Wirtschaftswachstum

IV OÖ-Präsident Pöttinger: Staatsschuldenkrise, volatile Finanzmärkte und Basel III steigern die Bedeutung von Eigenkapital für die Betriebe – Bevölkerung sieht Gewinne grundsätzlich positiv, überschätzt sie aber um das Fünffache – Politik muss vernünftige Rahmenbedingungen schaffen anstatt Steuern zu erhöhen

Die Zeiten werden schwieriger. Auch wenn die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise mit ihrer Talsohle im Jahr 2009 weitestgehend überwunden sein dürfte, wird sie sowohl die amerikanische als auch die europäische Wirtschaft noch viele Jahre lang beschäftigen. Das zeigen einerseits die aktuellen Staatsschuldenkrisen in den genannten Regionen wie auch die davon mitverursachte Konjunktureintrübung. Wie die Industriellenvereinigung schon im Frühjahr ankündigte, hat sich der Aufschwung der österreichischen und hier auch der oberösterreichischen Industrie erwartungsgemäß im dritten Quartal deutlich abgeschwächt. „Der Aufschwung wird in den kommenden Quartalen voraussichtlich eher pausieren als in eine neuerliche Rezession münden", erklärt dazu Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ): „Der konjunkturelle Wetterumschwung ist aber deutlich spürbar!"

 

Dass der Boom in den vergangenen Monaten auf einem geborgten Wachstum in Form von Nachholeffekten und hohen Staatsausgaben basierte, war von vorneherein klar. Die aktuelle Konjunktureintrübung ist dennoch keineswegs zur Gänze auf die Normalisierung des Geschäftsganges zurückzuführen, sondern ebenso vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrisen und einer erneut aufflammenden Risikoaversion auf den Finanzmärkten zu sehen. Hinzu kommen ein grundlegender Zweifel der Investoren in die Lösungsfähigkeit der Politik und die deutlich verschärften Bestimmungen von Basel III. „Noch mehr Sorgen als die konjunkturellen Unwägbarkeiten machen aber die strukturellen Probleme, die wir in Österreich und auch in Oberösterreich vorfinden", sagt Pöttinger. „Die Zahlen des World Competitiveness Reports der Schweizer IMD zeigen, dass Österreich in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit immer weiter zurückfällt. Gemäß den aktuellen Auswertungen ist Österreich innerhalb eines Jahres um ganze vier Plätze von Rang 14 auf Rang 18 zurückgefallen. Vor vier Jahren, also zu Beginn der großen Koalition, lag Österreich noch auf Rang 11."

 

Erosion der Standortqualität

Für diese Erosion der Standortqualität sei in erster Linie die inzwischen dramatische Einbuße in der Kategorie „Effizienz der Regierung" verantwortlich. Eklatante Defizite bestünden vor allem bei der Budgetgestion und Staatsverschuldung, der Einnahmenstruktur und beim Regulierungsregime. Auch im Standortvergleich der Confederation of Danish Industry unter den 33 OECD-Staaten rangiert Österreich keineswegs an der Spitze, sondern mit Rang 14 gerade einmal im Mittelfeld. Insbesondere die Bürokratie, die Hürden für Unternehmen, die hohen Standortkosten und die hohe Besteuerung wirken sich negativ aus. „Nur unsere offene Wirtschaft und die Exportorientierung unserer Betriebe - allen voran der Industrie -retten uns einen Platz im Mittelfeld dieses Vergleiches", weiß der IV OÖ-Präsident.

 

Aus all diesen Daten kann eine zentrale Schlussfolgerung gezogen werden: „Nicht die Wirtschaft oder die Unternehmen sind dafür verantwortlich, dass wir uns um unsere Zukunftsfähigkeit Sorgen machen müssen, sondern die Politik. Sie stellt die Rahmenbedingungen her, mit der die Unternehmen leben müssen", meint Pöttinger.

 

Einen selbsttragenden, dauerhaften Aufschwung schaffen aber nur privater Mut und private Investitionen - kurzum all das, was Unternehmertum auszeichnet. Private Investitionen lassen sich aber nicht durch die Politik verordnen, sondern werden nur dann getätigt, wenn die Politik glaubwürdige und nachhaltig wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen in Aussicht stellt. Dieses langfristige Vertrauen kann man nur mit Strukturreformen herstellen, auch wenn sie kurzfristig schmerzen. „Auf keinen Fall kommt dieses Vertrauen, wenn man mit neuen Steuern droht, um die öffentlichen Budgets einnahmenseitig zu sanieren", postuliert Pöttinger.

 

Veritable Vertrauenskrise

Leider befinde sich die heimische Wirtschaft und insbesondere die oberösterreichische Industrie derzeit in einer veritablen Vertrauenskrise. „Es ist nicht mehr die Vertrauenskrise in die Finanzmärkte wie noch 2008, sondern eine Vertrauenskrise in die Politik. Eine Vertrauenskrise in die Finanzmärkte äußert sich darin, dass Banken wie im Jahr 2009 Geld horten. Eine Vertrauenskrise in die Politik äußert sich daran, dass Unternehmen zurückhaltend sind und nicht mehr investieren. Das erleben wir zum Teil heute", so Pöttinger. Die Betriebe investierten deshalb weniger, weil die Politik ihnen nicht das gibt, wozu sie da ist: eine Perspektive für eine Zukunft, in der sich Leistung, Innovation und Kreativität lohnen und in der Austausch von Geben und Nehmen in der Wirtschaft nicht auf bürokratische Hürden, auf das Damoklesschwert der Überschuldung und damit verbunden auf eine hohe Steuerlast stoßen. „Im Vergleich der OECD-Staaten haben wir den vierthöchsten Stundenlohn in der Sachgütererzeugung, liegen bei der Steuer- und Abgabenbelastung auf Platz sechs und haben mit 68 Prozent Lohnabgabenbelastung eines Durchschnittsverdieners eine enorme Abgabenbelastung", kritisiert IV OÖ-Präsident Pöttinger.

 

Unter solchen Voraussetzungen fällt es den Betrieben schwer, international wettbewerbsfähig zu bleiben und Gewinne zu erwirtschaften. Gerade letztere seien aber Grundbedingung für jedes wirtschaftliche Handeln, für den Erhalt des Wohlstands und nicht zuletzt für den Aufbau von Eigenkapital, dem in Zeiten volatiler Finanzmärkte größere Bedeutung zukommt denn je.

 

Gewinne werden um das fünffache überschätzt

Grundsätzlich stehen die Österreicher dem Thema Gewinne positiv wenn auch klischeebehaftet gegenüber. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes Spectra stellt eine überwältigende Mehrheit klar fest, dass Gewinne zu machen eine grundsätzlich gute Sache ist. „Die Bevölkerung überschätzt aber die Gewinne der Unternehmen massiv und scheint deren Bedeutung andererseits zu unterschätzen", interpretiert Pöttinger das Umfrageergebnis.

 

Konkret wird der Durchschnittsgewinn der Unternehmen auf 17 Prozent des Umsatzes geschätzt. „Das wäre mehr als das Traumziel eines jeden Unternehmens", erklärt dazu der IV OÖ-Präsident: „Die Realität sieht anders aus. Je nach Unternehmensgröße liegt das durchschnittliche Betriebsergebnis im Investitionsgüterbereich zwischen 4 und 7 Prozent des Umsatzes, im Dienstleistungssektor zwischen 3 und 8 Prozent und im Handel überhaupt nur zwischen 2 und 4 Prozent. Das sind die Werte vor Steuern, davon müssen rund 50 Prozent Steuern bezahlt werden, bei Kapitalgesellschaften wenn nicht ausgeschüttet 25 Prozent. Somit ergibt sich für den Investitionsgüterbereich eine Gewinnquote von 2 bis 3,5 Prozent."

 

Für die Unternehmen bedeutet eine Gewinnmarge in der genannten Höhe bei gleichzeitig hohen wirtschaftlichen und politischen Risiken insbesondere in turbulenten und volatilen Zeiten naturgemäß eine große Herausforderung. Denn sie benötigen die Gewinne für den Aufbau von Eigenkapital, das wiederum Voraussetzung für die Aufnahme von Fremdkapital und für das Tätigen von Investitionen darstellt. „Diese Investitionen sind wieder Voraussetzung für Innovationen und Wachstum sowie in weiterer Folge für den Wohlstand im Lande", erklärt Pöttinger das Grundprinzip der Wachstumsspirale. Insgesamt sei damit das Eigenkapital nichts Böses, sondern das Risiko- und Haftungskapital der Unternehmen und letztlich die einzige Grundlage zur Sicherung der Arbeitsplätze: „Eigenkapital bedeutet Eigenbestimmung, Fremdkapital bringt ab einem bestimmten Übermaß Fremdbestimmung mit sich!"

 

Krisenbedingt reduzierte Eigenkapitalquote

In Zeiten der Hochkonjunktur haben die österreichischen Unternehmen mit ihren Gewinnen auch tatsächlich ihre Eigenkapitalquote aufgestockt: 2008 lag sie im Investitionsgüter-Sektor - wiederum abhängig von der Unternehmensgröße - durchschnittlich zwischen 21 und 38 Prozent. Während der Weltwirtschaftskrise hat sich die Eigenkapitalquote der heimischen Unternehmen in vielen Branchen reduziert. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Menschen in unserem Lande eines erkennen: Die österreichischen Unternehmen waren nicht Täter sondern Opfer der Krise und haben Teile ihres Eigenkapitals dafür verwendet, möglichst viele Arbeitnehmer in Beschäftigung zu halten", so Pöttinger.

 

Umso positiver wertet der IV OÖ-Präsident die Solidarität der Bevölkerung, was die Unternehmensbesteuerung angeht. Fast zwei Drittel der Österreicher treten dafür ein, dass es zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes für die Unternehmen in den nächsten Jahren keine Steuererhöhungen geben sollte und dass es sinnvoll sei, die Steuern für Unternehmen zu senken, um Arbeitsplätze zu sichern.

 

Die immer wieder diskutierten und ideologisch motivierten Ideen zur Einführung diverser „Reichensteuern" laufen diesen Bemühungen diametral entgegen. „Manche Politiker versuchen aus ideologischen Gründen, durch Polarisierung den Unmut unter den Österreicherinnen und Österreichern zu schüren. Leistung muss aber weiterhin erstrebenswert sein und entsprechend belohnt werden", meint der IV OÖ-Präsident abschließend. Eine nachhaltige Sanierung der heute massiv unter Druck stehenden öffentlichen Haushalte könne jedenfalls nur durch grundlegende Strukturreformen erreicht werden - nicht durch einnahmenseitige Maßnahmen.

 

Die Presseunterlage von Ernst & Young Linz finden Sie hier (PDF 59KB).

Die Presseunterlage von Prof. Cocca finden Sie hier (PDF 27KB).

 

Rückfragehinweis:

Industriellenvereinigung Oberösterreich

Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch, j.grutsch@iv-net.at  

Tel. (0732) 781 976-0


Fotos
Mag. Erich Lehner, Managing Partner von Ernst & Young OÖ, IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger, Univ.-Prof. Dr. Teodoro Cocca, Dekan der SoWi-Fakultät der JKU Linz
Mag. Erich Lehner, Managing Partner von Ernst & Young OÖ, IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger, Univ.-Prof. Dr. Teodoro Cocca, Dekan der SoWi-Fakultät der JKU Linz

Mag. Erich Lehner, Managing Parnter von Ernst & Young Oberösterreich
IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger
Univ.-Prof. Dr. Teodoro Cocca, Dekan der SoWI-Fakultät der JKU Linz