STARTSEITE » MEDIEN » Presseaussendungen OÖ » Rohstoff- und Energiestrategie in der Europäischen Union

 
21.11.2011

Rohstoff- und Energiestrategie in der Europäischen Union

Für die EU ist es sehr wichtig, die Rohstoffversorgung dauerhaft zu sichern.

EU-Abgeordneter Dr. Paul Rübig:

 

Die Rohstoffpolitik der Europäischen Union

Für die Europäische Union ist es in Zeiten eines starken globalen Wettbewerbs und des Erstarkens von Staaten wie China, Brasilien und Indien sehr wichtig, die Rohstoffversorgung dauerhaft zu sichern. Die wirtschaftliche Bedeutung einer europäischen Rohstoffpolitik ist enorm. Mehr als 30 Millionen Menschen finden in diesem Bereich Arbeit. Der Produktionswert der in der Europäischen Union abgebauten Rohstoffe liegt bei ungefähr 45 Milliarden Euro. Zusätzlich importiert die Europäische Union jährlich Rohstoffe im Wert von 23 Milliarden Euro. Die 27 Staaten der Europäischen Union sind zu 70 bis 80 Prozent von Rohstoffimporten abhängig - Tendenz steigend. Zeitgleich steigt, zusammen mit dem wirtschaftlichen Wachstum der sogenannten BRIC Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) auch deren Nachfrage und Verbrauch an Rohstoffen. Die neue Rohstoffstrategie der Europäischen Union fußt auf 3 Säulen:

  • Sicherung der Rohstoffe aus Drittstaaten, sprich auf dem globalen Rohstoffmarkt. Die EU muss auf dem Weltmarkt Rohstoffe zu gleichen Bedingungen beziehen können wie ihre Konkurrenten.
  • Sicherung des Rohstoffabbaues innerhalb der Europäischen Union. In der EU müssen die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass eine dauerhafte Versorgung mit Rohstoffen aus europäischen Quellen begünstigt wird. Dabei wird auch auf den Österreichischen Rohstoffplan als „best practice" Beispiel für eine aktive Rohstoffpolitik verwiesen.
  • Stärkung des Recyclings von Rohstoffen und Steigerung der Ressourceneffizienz. Die Effizienz der Ressourcen muss allgemein erhöht werden, und es muss auch mehr recycelt werden, um einerseits den Rohstoffverbrauch der EU zu verringern und die Importabhängigkeit damit zu mindern, andererseits um die Umwelt zu schonen und mit Ressourcen schonend umzugehen.

Rohstoffpolitik hat große Bedeutung für die Entwicklungspotentiale, den Wettbewerb und die Innovationen der europäischen Wirtschaft. Ressourcendiplomatie ist wichtiger Teil der Außen- und Sicherheitspolitik. Zudem muss Rohstoffpolitik auch die Forschungs- und Umweltpolitik umfassen!

 

Eine bessere Koordinierung bezüglich Entdeckung, Abbau und Vertrieb von Rohstoffen, sowie effiziente und koordinierte Autorisierungsverfahren müssen das Ziel innerhalb der EU sein. Gerade für Klein - und Mittelbetriebe ergeben sich hier Chancen, sei es durch Austausch von „best practice"-Beispielen oder durch erleichterten Zugang zu Forschungsprogramme. Zudem bietet sich auch gerade für die Recyclingbranche eine Zukunftschance.

 

Enorm wichtig sind jedenfalls die Sicherung und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Europäischen Union und der Erhalt des Standortes Europa.

 

Rohstoffpolitik ist Beschäftigungspolitik

"Rohstoffpolitik ist Beschäftigungspolitik. Wir wollen die Abhängigkeit der EU von Drittländern reduzieren, Arbeitsplätze in der EU halten und die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der europäischen Wirtschaft sichern. Dazu braucht es eine umfassende Rohstoffstrategie der EU", stellt der Welser EU-Abgeordnete Paul Rübig klar. Das EU-Parlament hat mit überwältigender, fraktionsübergreifender Mehrheit die Anforderungen an die zukünftige Rohstoffstrategie der EU festgelegt. Rübig war dabei der Verhandlungsführer der Europäischen Volkspartei.

 

"Angesichts explodierender Rohstoffpreise haben wir die Wahl, entweder vom Spielfeldrand zuzuschauen, wie andere das Match machen, oder für faire Preise und einen ausgewogenen Zugang zu Rohstoffen zu kämpfen", so Rübig. Dass dabei Nachhaltigkeitskriterien und Umweltstandards eingehalten werden müssen sei selbstverständlich. "Eine unserer Anforderungen an die Rohstoffpolitik ist, dass sie widerspruchsfrei zur Entwicklungspolitik sein muss", stellt Rübig klar. Aber auch in Europa dürfe der Zugang zu Rohstoffen nicht behindert werden. "Die Bergwerke der Zukunft sind auch die Rohstoffe in den Abfallhalden von heute", so Rübig. China kontrolliert derzeit den Zugang zu 97 Prozent der weltweit verfügbaren sogenannten 'Seltenen Erden', die für die Computer- und Hightech-Industrie unerlässlich sind.

 

Das EU-Parlament setzt auf drei Schwerpunkte: Rohstoffzugang außerhalb der EU soll durch Rohstoff-Diplomatie und Verträge mit Drittländern sichergestellt werden. Innerhalb der EU soll der Rohstoffabbau nach klaren Kriterien gewährleisten werden. Gleichzeitig soll das Recycling und die effiziente Verwendung von Rohstoffen vorangetrieben werden. "Auch die aktuelle Finanzkrise ist nur lösbar, wenn wir unsere Exporte steigern und Importe verringern. Dazu brauchen wir eine Rohstoffstrategie", so Rübig.

 

 

Erneuerbare Energien stärken

Im Ausbau der erneuerbaren Energie sieht Paul Rübig, im Europäischen Parlament unter anderem im Energieausschuss tätig, vor allem den Vorteil, dass man unabhängiger von fossilen Brennstoffen wird und damit die EU die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffmärkten verringern könnte. „Wir brauchen verbesserte gesetzliche Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien", so Paul Rübig. Für den Welser EU-Parlamentarier ist das Thema „Energieeffizienz" ein wichtiges Anliegen und ein Schwerpunkt der Klima- und Energiestrategie. „Europa muss als Ganzes energieeffizienter werden. Vor allem im Bereich des Bauens und der Gebäudesanierung, des Transportes und im industriellen Sektor", zeigt sich Rübig überzeugt.

 

Um eine gemeinsame europäische Energiestrategie umzusetzen, braucht es einen europaweiten integrierten Energiemarkt. Hierfür benötigt die Europäische Union eine europaweite Infrastruktur (geplanter Zeitraum 2020 bis 2030), gemeinsame Marktregeln für Weiterentwicklungen von Infrastruktur, ausreichende finanzielle Rahmenbedingungen und hohe Sicherheitsstandards und Versorgungssicherheit. „Bei allen Investitionen im Bereich der Klima- und Energiepolitik ist es wichtig, dass Europa die Führungsrolle bei Energietechnologien und Innovationen übernimmt", fordert Paul Rübig. „Die Wettbewerbsfähigkeit im Technologiesektor ist entscheidend für den Standort Europa zum Erhalt und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze mit gutem Einkommen", so Rübig abschließend.

 

IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch:

 

Rohstoff- und Energiestrategie der EU sind für die OÖ. Industrie von entscheidender Bedeutung

Rohstoffe und Energie sind die Grundlage jeder industriellen Produktion. Im Dreieck von Versorgungssicherheit, wettbewerbsfähigen Preisen und ökologischen Aspekten definiert sich eine erfolgsversprechende Rohstoff- und Energiestrategie. Für Oberösterreich als starke Industrieregion sind diese Themen von überdurchschnittlich hoher Bedeutung. Der Rohstoff- und Energieverbrauch der industriellen Produktion ist entsprechend hoch.

 

„Aufgrund der Branchenstruktur der OÖ. Industrie sind zwei Aspekte besonders zu berücksichtigen", erklärt dazu Dr. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ: „Einerseits dominieren in unserem Bundesland energie- und rohstoffintensive Branchen, wie die Metallindustrie, die chemische Industrie oder die Papierindustrie, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten massive Anstrengungen zur Steigerung ihrer Rohstoff- und Energieeffizienz unternommen haben. Andererseits verfügt Oberösterreich über einen stark wachsenden, exportorientierten Sektor von Unternehmen im Bereich der Energie-und Umwelttechnologien."

 

Trends im Bereich der Rohstoffe:

  • Steigende Nachfrage nach Rohstoffen durch neue Wirtschaftsmächte
  • Steigende Nachfrage nach neuen Rohstoffen durch neue Technologien und Anwendungen  Zunehmender Protektionismus rohstoffproduzierender Länder
  • Staatlich subventionierte Nachfrage nach biogenen Rohstoffen als Energieträger  Sinkende Verfügbarkeit von Primär-Rohstoffen
  • Entkoppelung des Rohstoffverbrauchs vom Produktionswachstum

Die Rolle von OÖ im Bereich der Rohstoffe

Die OÖ. Industrie kann sich im internationalen Wettbewerb nicht zuletzt durch ein hohes Niveau im Bereich der Ressourceneffizienz behaupten. Auch umfassendes Recycling trägt hier wesentlich zur Erreichung dieses hohen Levels bei. Sie leistet so mit jeder Erzeugungseinheit aus effizienter heimischer Produktion mit höchsten Umweltstandards einen Beitrag zur globalen Ressourcenschonung. „Der Zugang zu Rohstoffen zu wettbewerbsfähigen Preisen ist daher eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt der Industrie in Oberösterreich", sagt Haindl-Grutsch. Die Intensivierung der Erkundung von neuen Lagerstätten in Europa sei notwendig, um auch den zukünftigen Rohstoffbedarf nachhaltig absichern zu können.

 

Oberösterreich verfügt über nicht unwesentliche eigene Ölvorkommen, die als Rohstoffversorgung für die Kunststoff-, Pharma- und chemische Industrie relevant sind. Die in Österreich verfügbaren biogenen Rohstoffe sind unter der Zielsetzung einer maximalen Wertschöpfung nachhaltig zu nutzen, sodass eine klare Priorität der stofflichen vor der energetischen Nutzung biogener Rohstoffe erreicht wird.

 

Trends im Bereich der Energie:

  • Steigende Nachfrage nach Energie durch neue Wirtschaftsmächte
  • Klimawandel und Notwendigkeit von CO2-Einsparungen
  • Zunehmende Bedeutung von Erneuerbaren Energien, erhebliche Förderungen  Ausstieg Deutschlands aus der Atomkraft
  • Entkoppelung des Energieverbrauchs vom Produktionswachstum  Zunehmende Bedeutung von Energie- und Umwelttechnologien

Die Rolle Oberösterreichs im Bereich der Energie:

Oberösterreichs Stärken im Themenbereich Energie liegen vor allem in drei Bereichen:  

  • Verfügbarkeit von Wasserkraft: Ausbau von Wasserkraft- und Pumpspeicherkraftwerken
  • Ideale geologische Strukturen zur Erdgasspeicherung: Erdgas ist für die nächsten Jahrzehnte der wesentliche, saubere und CO2-arme Energieträger für Europa.
  • Potenzielles Stärkefeld Energie- und Umwelttechnologien: Der global boomende Markt für innovative Energie- und Umwelttechnologien bietet gewaltige Exportchancen für die OÖ. Industrie.

„Eine erfolgreiche Rohstoff- und Energiestrategie für Oberösterreich kann daher nur in einer in eine europäische Strategie eingebettete Positionierung liegen", meint IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch: „Jegliche Autarkiestrategien sind bei den globalen Themenfeldern Energie und Rohstoffe für ein kleines Binnenland wie Österreich nicht zielführend und sogar kontraproduktiv." Vielmehr solle jedes Land im Rahmen einer europäischen Rohstoff- und Energiestrategie das tun, was es am besten kann - unabhängig von Parteipolitik oder Ideologie.

 

Rückfragehinweis:

Stefan Haböck
presse@paulruebig.eu  
+43 650 53 53 230

 

Industriellenvereinigung Oberösterreich
Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch,
j.grutsch@iv-net.at  
Tel. (0732) 781 976-0

 

 


Fotos
v.l.n.r.: KommR MdEP Ing. Mag. Dr. Paul Rübig, IV OÖ-GF Dr. Haindl-Grutsch
v.l.n.r.: KommR MdEP Ing. Mag. Dr. Paul Rübig, IV OÖ-GF Dr. Haindl-Grutsch

KR MdEP Ing. Mag. Dr. Paul Rübig
IV OÖ-GF Dr. Joachim Haindl-Grutsch