Negative Stimmung ist bei OÖ. Industrie angekommen
IV OÖ-GF Haindl-Grutsch: Nach neun Quartalen mit jeweils besserem Geschäftsverlauf endet im 3. Quartal 2011 der wirtschaftliche Aufschwung - Erwartungskomponenten stürzen abMit dem 3. Quartal 2011 geht eine neun Quartale dauernde Erholungs- und Aufschwungphase in der OÖ. Industrie zu Ende. Seit dem Tiefpunkt im März 2009 lieferte jedes folgende Quartal bessere Werte in der Beurteilung der Geschäftslage der Betriebe. Die jüngste Konjunkturumfrage, an der 100 Firmen mit insgesamt rund 98.800 Beschäftigten teilgenommen haben, bringt aufgrund der zahlreichen konjunkturellen Störfaktoren und der negativen Stimmung auf internationaler Ebene die erwartete Eintrübung. Konkret beurteilten dabei - gewichtet nach den Mitarbeiterzahlen - 56 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage mit „gut", 39 Prozent mit „befriedigend" und nur 6 Prozent mit „schlecht". Der Saldo aus Positiv- und Negativmeldungen hat sich gegenüber dem Vorquartal von +72 auf +50 Prozent reduziert. „Die aktuelle Geschäftslage kann damit weiterhin als gut eingestuft werden, wenngleich die hohen Werte des letzten Quartals nicht mehr erreicht werden konnten", so Dr. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich. Eine sehr ähnliche Entwicklung zeigen die gemeldeten Zahlen über die Beurteilung des derzeitigen Auftragsbestandes (Saldo +47% nach +74%) und die Auslandsaufträge (Saldo +42% nach +68%).
Zeit des Aufschwunges ist vorbei - Absturz der Erwartungskomponenten
Besonders drastisch wirkt sich das negative Umfeld der US-amerikanischen und europäischen Staatsschuldenkrise auf die Konjunkturerwartungen der Betriebe in Oberösterreich aus. Die Einschätzung der Geschäftslage in sechs Monaten stürzt von einem Saldo von +29 Prozent im 2.Quartal 2011 auf -33 Prozent im 3. Quartal geradezu ab. Eine derart negative Erwartungshaltung gab es zuletzt im Dezember 2008. Konkret erwarten nur mehr 10 Prozent eine bessere Geschäftslage in sechs Monaten, 47 Prozent eine gleichbleibende und 43 Prozent eine schlechtere Geschäftslage. Von einer Verschlechterung der Geschäftslage berichten vorrangig die Metallindustrie, die Papierindustrie und die Bauindustrie, während in der chemischen Industrie, im Maschinenbau und der Fahrzeugindustrie noch von einer stabilen Entwicklung ausgegangen wird. „Aus heutiger Sicht erwarten wir keinen erneuten Rückfall in eine Rezession wie nach Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise im Herbst 2008, dennoch ziehen diese Zahlen eine erhebliche Bremsspur in der konjunkturellen Entwicklung Oberösterreichs. Eine kurzfristige Besserung der Situation ist nicht zu erwarten", so Haindl-Grutsch. Parallel zur Entwicklung der Geschäftslage zeigen auch die Produktionstätigkeit in drei Monaten (Saldo -32% nach +27%) und die Produktionskapazität in drei Monaten (-35% nach +28%) einen ähnlich negativen Verlauf. „In diesem Licht ist der überdurchschnittlich hohe Abschluss bei den Metaller-KV-Verhandlungen als sehr kontraproduktiv zu werten. Vor allem haben die vorschnellen Streiks auch einem wesentlichen Qualitätsfaktor des Industriestandortes Österreich - der Verlässlichkeit und Liefertreue - einen massiven Schaden auf internationaler Ebene zugefügt", betont Haindl-Grutsch.
Aufschwung geht auch am Arbeitsmarkt zu Ende
Der scharfe Tempoverlust und die erwartete konjunkturelle Stagnationsphase finden auch am Arbeitsmarkt ihren Niederschlag. 43 Prozent (nach 5 Prozent im 2. Quartal) erwarten einen fallenden Beschäftigtenstand in den nächsten drei Monaten, nur mehr 7 Prozent planen eine Aufstockung des Personalstandes. Der Saldo reduziert sich von +28 auf -36 Prozent. Für Oberösterreich, welches von Fachkräftemangel und negativen demographischen Entwicklungen stark betroffen ist, bleibt aber die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal weiterhin das primäre Problem.
Ertragserwartungen negativ
Die aktuell noch gute Ertragslage (Saldo +35% nach +42% im letzten Quartal) wird sich ebenfalls in den nächsten sechs Monaten deutlich verschlechtern. 47 Prozent der Betriebe erwarten eine Verschlechterung, nur mehr 10 Prozent eine bessere Ertragssituation. Der Saldo sinkt von +20 auf -38 Prozent.
Reformen Gebot der Stunde
Angesichts deutlich verschlechterter konjunktureller Aussichten wiederholt die IV OÖ erneut ihre Forderung nach strukturellen Reformen in Oberösterreich, wie es im Gesundheitsbereich sehr erfolgreich gelungen ist. „Seit der Lehmann-Pleite im Jahr 2008 predigt die Industrie gebetsmühlenartig die Notwendigkeit von ausgabenseitigen Reformen. Die Auswirkungen der Schuldenkrise in Europa werden uns noch zehn Jahre lang beschäftigen. Der Druck auf die öffentlichen Haushalte bleibt in den nächsten Jahren unverändert hoch", so Haindl-Grutsch. Die Erwartung, dass eine rasche Erholung mit sprudelnden Steuereinnahmen die Situation kurzfristig entschärfen würde, wurde von der IV OÖ immer als Wunsch an das Christkind eingestuft. Die Forderungen der IV OÖ nach nachhaltigen Reformen in der Verwaltung, insbesondere bei Gemeinden und BHs, in Oberösterreich bleiben aufrecht. „Eine „less-of-the-same-Strategie" ohne strukturelle Veränderungen wird nicht ausreichen, um Oberösterreich zukunftsfit zu machen. Im Gegenteil sind zusätzlich zur Sanierung des Landesbudgets mehr Mittel in den Zukunftsbereichen Bildung und Forschung dringend notwendig. Wir erneuern unseren Appell an die Landesregierung, die Reformanstrengungen zu verstärken und die parteipolitisch schwierigen aber für eine nachhaltige Entwicklung des Landes unvermeidbaren Schritte zu setzen", resümiert Haindl-Grutsch abschließend.
Linz, 21. Oktober 2011
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Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch / j.grutsch@iv-net.at


