Industrie fordert Forschungsoffensive in Oberösterreich!
Neue Statistik Austria-Zahlen zeigen erneut klar auf: Unternehmen tragen 80 Prozent der Forschungsausgaben in OÖ – Landesbudget für F&E deutlich zu gering – zusätzliche Anreize zur Erreichung der 4 Prozent F&E-Quote notwendigDie aktuell veröffentlichten Daten der neuen F&E-Vollerhebung der Statistik Austria geben interessante Aufschlüsse über die Entwicklung von Österreich und den jeweiligen Bundesländern in Forschung und Entwicklung. Grundsätzlich positiv ist, dass Österreich im europäischen Vergleich im letzten Jahrzehnt einen starken Aufholprozess in Gang setzte. Die F&E-Quote stieg von 1,94 Prozent im Jahr 2000 auf 2,79 Prozent im Jahr 2011. Ein echter Wermutstropfen ist, dass die F&E-Quote seit 2009 auf diesem Niveau stagniert. Das Ziel der Bundesregierung von 3,76 Prozent bis 2020 wird sich aber nur mit erheblichen Steigerungen der F&E-Ausgaben in allen Sektoren erzielen lassen.
Oberösterreich im Bundesländervergleich
Auf Bundesländerebene stehen die F&E-Zahlen der Statistik Austria durch die Vollerhebung nunmehr für das Jahr 2009 zur Verfügung. Erfreulich ist, dass sich die F&E- Ausgaben in Oberösterreich seit 2002 auf 1,2 Mrd. Euro 2009 verdoppelt haben. Damit liegt Oberösterreich hinter Wien (2,55 Mrd. Euro) und der Steiermark (1,49 Mrd. Euro) an dritter Stelle. Ermöglicht wurde diese Entwicklung durch die starken Steigerungen im Unternehmenssektor, also im Wesentlichen von der OÖ. Industrie. Mit einem Anteil von 80 Prozent trägt der Unternehmenssektor so viel wie in keinem anderen Bundesland zu den Gesamtausgaben für F&E bei. Österreichweit liegt dieser Wert bei 62 Prozent. Berücksichtigt man auch den kooperativen Sektor (z.B. COMET-Zentren) so steigt dieser Anteil in Oberösterreich sogar auf knapp 90 Prozent oder 1,073 Mrd. Euro.
Der positiven Entwicklung in der OÖ. Industrie stehen die nach wie vor zu geringen Beiträge von Bund und Land in Oberösterreich gegenüber. Vom F&E-Budget des Bundes (inklusive Universitäten) erhält Oberösterreich einen Anteil von 7,3 Prozent oder 143 Mio. Euro. Spitzenreiter ist Wien mit 50,6 Prozent vor der Steiermark (18,2 Prozent) und Tirol (12,1 Prozent). Bedenklich ist, dass allein der Zuwachs der F&E-Bundesmittel in Wien zwischen 2007 und 2009 172 Mio. Euro beträgt und damit deutlich höher als der gesamte Anteil von Oberösterreich ist. Bei einer Pro-Kopf-Betrachtung fließen 587 Euro je Einwohner nach Wien, 336 Euro nach Tirol, 296 Euro in die Steiermark, 148 Euro nach Salzburg und nur 101 Euro nach Oberösterreich.
Viel Aufholbedarf gibt es beim F&E-Budget des Landes Oberösterreich. Das Land Oberösterreich gibt gemäß international gültiger F&E-Definition nach Frascati laut Statistik Austria im Jahr 2009 25 Mio. Euro aus (nach 28,1 Mio. Euro 2007). Damit belegt Oberösterreich hinter Wien (86,8 Mio. Euro), der Steiermark (54,2 Mio. Euro), Niederösterreich (33 Mio. Euro) und Tirol (29,1 Mio. Euro) nur den fünften Rang. Niederösterreich und Tirol konnten Oberösterreich seit der letzten Vollerhebung 2007 überholen. Bezogen auf die Bevölkerungszahlen liegt Oberösterreich mit 17,8 Euro pro Kopf etwa gleichauf mit Salzburg (17,6 Euro) am vorletzten Platz im Bundesländerranking. Nur das Burgenland liegt mit 8,3 Euro dahinter. Spitzenreiter ist Wien mit 51,3 Euro vor der Steiermark (44,9 Euro).
Eine Steigerung der F&E-Ausgaben des Landes auf den österreichweiten Durchschnittswert der Bundesländer von 30,4 Mio. Euro entspricht einer Erhöhung gegenüber 2009 von etwas mehr als 5 Mio. Euro. Um auf durchschnittliche Pro-Kopf-Ausgaben der Länder von 32,7 Euro zu kommen, ist eine Steigerung des Landesbudgets für F&E auf 46,1 Mio. Euro nötig (ein Plus von 21,1 Mio. Euro gegenüber 2009). Die IV OÖ fordert dementsprechend deutliche Erhöhungen der F&E-Ausgaben des Landes im Rahmen der Budgetverhandlungen für 2012.
Die Landesregierung hat sich im aktuellen Regierungsprogramm eine F&E-Quote von 4 Prozent bis 2015 zum Ziel gesetzt. „Es ist illusorisch, dass dieses Ziel auch nur annähernd erreicht werden kann, wenn es nicht zusätzliche F&E-Anreize für den Träger der Hauptlast dieser Ausgaben - die OÖ. Industrie - gibt", betont IV OÖ-Geschäftsführer DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch. „Ein Teil der zusätzlichen Steuereinnahmen aufgrund der gut laufenden Konjunktur muss in die Zukunft investiert werden!"
Linz, 08. September 2011
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