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30.05.2011

Gewinne und Eigenkapital sind Basis einer gesunden Wirtschaft und Voraussetzungen für den Wohlstand!

IV OÖ-Präsident Pöttinger: Bevölkerung überschätzt die Höhe von Unternehmensgewinnen und unterschätzt deren Bedeutung – Eigenkapital bedeutet Selbstbestimmung und ermöglicht Wachstum – Konzerne werden oft als Feindbild gesehen, fungieren in der Realität aber als Wirtschafts- und Wohlstandsmotoren

Die in der jüngeren Vergangenheit losgetretene Diskussion über „unfähige und feige Politiker" einerseits und „habgierige Unternehmer" andererseits hat eine Kluft in der Bevölkerung zutage treten lassen, die in der Industrie zumindest teilweise bereits überwunden geglaubt war. Demnach werden österreichische Unternehmen und Banken offenbar nach wie vor als Nutznießer der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise gesehen und kaum als Motoren, die einen unerwartet raschen Wiederaufstieg der heimischen Wirtschaft ermöglichten. Konkret trägt die Industrie 75 Prozent des Wachstums Österreichs in der aktuellen Erholungsphase und sorgt damit wieder für sprudelnde Steuereinnahmen.

 

Die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) hat bereits vor Wochen das Marktforschungsinstitut Spectra damit beauftragt, die Einstellung der Österreicher und Österreicherinnen zu Gewinn, Steuern und Einkommen zu erheben. Das Ergebnis zusammengefasst: Die Meinung der Bevölkerung ist grundsätzlich positiv aber immer noch stark klischeebehaftet. Insgesamt ist das Stimmungsbild sehr ambivalent. „Eine

überwältigende Mehrheit stellt klar fest, dass Gewinne zu machen eine grundsätzlich gute Sache ist", erklärt dazu Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ): „Die Bevölkerung überschätzt aber die Gewinne der Unternehmen massiv und scheint deren Bedeutung andererseits zu unterschätzen. Wichtig ist aber, dass das Wirtschaftssystem als solches eine breite Bejahung erfährt."

 

(Präsentation Spectra / Dipl.-Ing. Bruckmüller)

 

UNTERNEHMENSGEWINNE UM DAS FÜNFFACHE ÜBERSCHÄTZT

Geht es also nach der Meinung der breiten Öffentlichkeit, sind Gewinne eine grundsätzlich gute Sache. Vor allem in ihrer Bedeutung für die Unternehmen sind sie positiv im Bewusstsein verankert. Gleichzeitig werden sie in ihrer Höhe aber maßlos überschätzt. „Der vermeintliche Durchschnittsgewinn von 17 % des Umsatzes wäre mehr als das Traumziel eines jeden Unternehmers", erklärt Präsident Klaus Pöttinger: „Die Realität sieht anders aus. Je nach Unternehmensgröße liegt das durchschnittliche Betriebsergebnis im Investitionsgüterbereich zwischen 4 und 7 % des Umsatzes, im Dienstleistungssektor zwischen 3 und 8 % und im Handel überhaupt nur zwischen 2 und 4 %. Das sind die Werte vor Steuern, davon müssen ca. 50 % Steuern bezahlt werden (bei Kapitalgesellschaften wenn nicht ausgeschüttet 25%). Somit ergibt sich für den Investitionsgüterbereich eine Gewinnquote von 2 - 3,5 %. Die Gewinne an sich werden von der Bevölkerung um das Fünffache überschätzt", zitiert der IV OÖ-Präsident die aktuellste Auswertung der Jahresabschlusskennzahlen der Österreichischen Nationalbank. Die Auswertung bezieht sich auf 2008 und damit auf das letzte Jahr der Hochkonjunktur vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise. „In der Krise haben sich die Unternehmensgewinne deutlich reduziert bzw. sind viele Unternehmen in die Verlustzone gerutscht", weiß Pöttinger.

 

Für die Unternehmen bedeutet eine Gewinnmarge in der genannten Höhe bei gleichzeitig hohen wirtschaftlichen und politischen Risiken insbesondere in turbulenten Zeiten wie diesen naturgemäß eine große Herausforderung. Denn sie benötigen die Gewinne für den Aufbau von Eigenkapital, das wiederum Voraussetzung für die Aufnahme von Fremdkapital und für das Tätigen von Investitionen darstellt. „Diese Investitionen sind wieder Voraussetzung für Innovationen und Wachstum und in weiterer Folge für den Wohlstand im Lande", erklärt Pöttinger das Grundprinzip der Wachstumsspirale. Insgesamt sei damit das Eigenkapital nichts Böses, sondern das Risiko- und Haftungskapital der Unternehmen und letztlich die

einzige Grundlage zur Sicherung der Arbeitsplätze: „Eigenkapital bedeutet Eigenbestimmung, Fremdkapital bringt ab einem bestimmten Übermaß Fremdbestimmung mit sich!"

 

NICHT TÄTER SONDERN OPFER DER KRISE

In Zeiten der Hochkonjunktur haben die österreichischen Unternehmen mit ihren Gewinnen auch tatsächlich ihre Eigenkapitalquote aufgestockt: 2008 lag sie im Investitionsgüter-Sektor - wiederum abhängig von der Unternehmensgröße - durchschnittlich zwischen 21 und 38 %. Während der Weltwirtschaftskrise hat sich die Eigenkapitalquote der heimischen Unternehmen in vielen Branchen reduziert. „Deshalb ist es so wichtig, dass die Menschen in unserem Lande eines erkennen: Es waren weder österreichische Unternehmen noch

österreichische Banken, die die Weltwirtschaftskrise verursacht haben. Sie sind nicht Täter sondern Opfer der Krise und haben Teile ihres Eigenkapitals dafür verwendet, möglichst viele Arbeitnehmer in Beschäftigung zu halten", postuliert der IV OÖ-Präsident.

 

Laut Spectra-Umfrage kritisieren 77 % der Bevölkerung, die großen Unternehmen würden aus den Gewinnen ungerechtfertigt hohe Manager-Gehälter und Manager-Prämien zahlen bzw. viele Unternehmer den Großteil der Gewinne selbst einstecken und zu wenig davon in das Unternehmen investieren. „Dazu ist zu sagen, dass der Unternehmensgewinn nicht gleichzeitig den Gewinn des Unternehmers ausmacht", so Pöttinger. Ebenso steht fest, dass sich die in Österreich bezahlten Manager-Gehälter und -Prämien im Vergleich der EU-27 im

unteren Drittel befinden und gleichzeitig einer der höchsten Einkommensbesteuerungen des OECD-Raumes unterliegen. „Unter solchen Bedingungen ist es schwierig, hervorragende ausländische Spitzenkräfte nach Österreich zu lotsen, um mit ihnen den Standort weiterzuentwickeln", distanziert sich der IV OÖ-Präsident von vereinzelt in einigen Ländern bezahlten, abstrus hohen Management-Prämien.

 

SOLIDARITÄT IN STEUERFRAGEN

Als positiv wertet Pöttinger hingegen die Solidarität der Bevölkerung, was die Unternehmensbesteuerung angeht. Fast zwei Drittel der Österreicher treten jeweils dafür ein, dass es zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes für die Unternehmen in den nächsten Jahren keine Steuererhöhungen geben sollte und dass es sinnvoll sei, die Steuern für Unternehmen zu senken, um Arbeitsplätze zu sichern. Ein echter Wehrmutstropfen ist für ihn aber die Ambivalenz in der öffentlichen Meinung hinsichtlich der Großkonzerne - sie stellen weiterhin das erklärte Feindbild der Bevölkerung dar und sollten demnach höher als bisher besteuert werden. Gibt man den anonymen Konzernen einen konkreten Namen, wird der Betrieb zum attraktiven Arbeitgeber und verwandelt sich die Abneigung in Stolz auf unsere wirtschaftlichen „Flaggschiffe". „In der Realität sind diese Großunternehmen jene Leitbetriebe, die vielen Tausend Menschen Arbeit geben und in ihrem Sog viele kleinere regionale Zulieferer und Dienstleister mit sich ziehen", erklärt Pöttinger.

Tatsächlich gilt dies für kein anderes Bundesland so stark wie für das Industrieland Oberösterreich. Die größten 250 Betriebe umfassen hier lediglich knapp 0,6 % der Unternehmen, sie beschäftigen aber insgesamt fast 270.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen kumulierten Umsatz von knapp 62 Milliarden Euro. Mit den Effekten, die diese Leitbetriebe auf kleinere und mittlere Zulieferer oder Dienstleister ausüben, sind sie maßgeblich für das Wachstum unserer Wirtschaft verantwortlich.

 

„ÜBER-UMVERTEILUNG" DURCH SOZIALTRANSFERS?

Letztlich begründen diese Leitbetriebe den Wohlstand in unserem Land, der sich übrigens quer durch die Einkommensschichten zieht. Denn die Umverteilung mittels Sozialtransfers ist in Österreich so hoch wie in kaum einem anderen Land. Obwohl laut Spectra-Umfrage drei Viertel der Österreicher meinen, die Einkommensunterschiede seien in Österreich zu groß und sollten verringert werden, bzw. 50 % für mehr Umverteilung plädieren, beweist der „Gini-Koeffizient" als Maßstab für die mögliche Gleichverteilung (je höher der Koeffizient desto größer die Einkommensunterschiede), dass die Umverteilung in unserem Land bereits

extrem hoch ist. Tatsächlich hat Österreich im Vergleich der EU-27 bereits einen der niedrigsten Gini-Koeffizienten, der in den letzten 15 Jahren sogar noch weiter gesunken ist. Während heute das untere Drittel der Haushalte durch den Umverteilungsprozess - also durch staatliche Transferzahlungen - rund die Hälfte ihres Markteinkommens dazubekommt, wird dem oberen Drittel mehr als ein Viertel des ursprünglichen Einkommens abgenommen und an das untere Drittel verteilt.

 

Für Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger ergibt sich daraus der dringende Bedarf, bezüglich der Umverteilung herrschende Vorurteile durch eine gezielte Aufklärung der Bevölkerung abzulösen: „Einzelne Politiker versuchen aus ideologischen Gründen, durch Polarisierung den Unmut unter den Österreicherinnen und Österreichern zu schüren. Leistung muss aber weiterhin erstrebenswert sein und entsprechend belohnt werden", meint der IV OÖ-Präsident abschließend.

 

Rückfragehinweis:

Industriellenvereinigung Oberösterreich

Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch, j.grutsch@iv-net.at

Tel. (0732) 781 976-0


Fotos
v.l.n.r. Gen.-Dir. Senator h.c. Konsul KommR Mag. Dr. Ludwig Scharinger, IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger, DI Peter Bruckmüller
v.l.n.r. Gen.-Dir. Senator h.c. Konsul KommR Mag. Dr. Ludwig Scharinger, IV OÖ-Präsident DI Klaus Pöttinger, DI Peter Bruckmüller