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[ 30.07.2010 ]

IV OÖ: Zufriedenheit mit Bundesregierung erreicht Tiefststand, Technikermangel wird neuerlich zum Flaschenhals für Wachstum

IV OÖ-GF Haindl-Grutsch: Oberösterreichs Industrie ist mit der Arbeit der Bundesregierung noch unzufriedener als zu Ende der Ära Gusenbauer – Reflexartige Ablehnungen von Reformvorschlägen führten auch in OÖ zu Rückgängen bei den traditionell hohen Zufriedenheitswerten mit der Landesregierung – Nach kurzfristiger Entspannung im Vorjahr wird das Finden von qualifizierten Technikern neuerlich zum Schlüsselfaktor für das Wachstum der Industrie

Die alljährlich von market durchgeführte Mitgliederbefragung der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) gibt einerseits Aufschluss über die anstehenden Top-Themen und Herausforderungen der oberösterreichischen Industrie sowie andererseits über die Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundes- und Landespolitik. Die Zufriedenheit der Industrie mit der Landesregierung bleibt mit 73 Prozent (Vergleich 2009: 88 Prozent) weiterhin hoch, wenngleich die Werte aufgrund der parteipolitisch motivierten, reflexartigen Ablehnung von Reformvorschlägen einen deutlichen Dämpfer erhalten haben. Die Zahl der Unzufriedenen stieg von 9 Prozent im Jahr 2009 auf 27 Prozent 2010, gleichzeitig sank die Zahl der sehr Zufriedenen von 33 auf 6 Prozent.

 

Gänzlich anders sieht die Situation auf Bundesebene aus: Die Zufriedenheit mit der Arbeit der Bundesregierung hat mittlerweile einen historischen Tiefstand erreicht. „Obwohl es die Folgen der größten Wirtschaftskrise seit Beginn der Zweiten Republik zu verdauen gilt, wird in Wien nur taktiert und über die Schaffung neuer Steuern gesprochen. Höchst notwendige Reformen werden hingegen auf die lange Bank geschoben", gibt IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch die in der oberösterreichischen Industrie vorherrschende Meinung wieder. Ganze 64 Prozent der IV OÖ-Mitglieder zeigten sich bei der Umfrage mit der Bundesregierung „ganz und gar nicht zufrieden" und weitere 27 Prozent „eher weniger zufrieden" - damit sind rekordverdächtige 91 Prozent mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden. Lediglich neun Prozent sind „eher zufrieden" (6 %) oder sogar „sehr zufrieden" (3 %). Damit fällt die Regierung Faymann sogar auf noch schlechtere Zufriedenheitswerte als die Vorgängerregierung gegen Ende der Ära Gusenbauer zurück.

 

Technikermangel wird neuerlich zum Schlüsselfaktor

Vor allem die Einschätzung der IV OÖ-Mitglieder über die Top-Herausforderungen der nächsten fünf Jahre zeigt auf, in welchen Bereichen künftig die wirtschaftspolitischen Hebel anzusetzen sind. Die jüngste Umfrage verdeutlichte eindrucksvoll, dass sich der Mangel an qualifizierten Technikern - nach einer kurzen Entspannungsphase im Jahr 2009 - nun neuerlich zum Flaschenhals für das Wirtschaftswachstum in Oberösterreich entwickelt. „71 Prozent unserer Mitglieder stufen das Finden qualifizierter Mitarbeiter als schwerwiegendes oder überhaupt größtes Problem der nächsten fünf Jahre ein", erklärt Haindl-Grutsch: „Der Mangel fokussiert sich auf technische Berufe." Auffallend ist, dass die verschiedenen Ausbildungsstufen der gesuchten Techniker von der Lehre über die HTL und Fachhochschule bis hin zum Universitätsabschluss hinsichtlich der Nachfragestärke nahezu ausgeglichen sind. „Die Industrie braucht ausgebildete Techniker auf allen Ausbildungsebenen. Wenn wir in Oberösterreich zu einem überdurchschnittlichen Wachstum zurückkehren wollen, müssen wir genau hier den Hebel ansetzen", empfiehlt der IV OÖ-Geschäftsführer. „Das heißt, einerseits müssen wir dafür Sorge tragen, dass genügend Jugendliche eine technische Lehre oder eine HTL-Ausbildung beginnen. Andererseits bedarf es einer finanziellen Kraftanstrengung, um die FH OÖ und die JKU in den technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen so auszubauen wie es dem Industrieland Nr. 1 entspricht!"

 

Eng damit verbunden ist auch die Notwendigkeit, die Flexibilisierung der Arbeitszeit weiter voranzutreiben. Die Planbarkeit der Kapazitätsauslastung wird laut Meinung von 54 Prozent der IV OÖ-Mitglieder zum größten oder zumindest schwerwiegenden Problem der nächsten fünf Jahre; damit in Zusammenhang sehen 55 Prozent in der Flexibilisierung der Arbeitszeit eine der Top-Herausforderungen. „Die immer kurzfristigere Planung der Produktionskapazitäten und die immer stärker schwankenden Auslastungen machen es notwendig, mit Hilfe flexibler Arbeitszeitmodelle darauf zu reagieren. Die Volatilität auf den Märkten hat sich seit Ausbruch der Wirtschaftskrise deutlich erhöht und wird die Industrie auch in den nächsten Jahren fordern", so Haindl-Grutsch.

 

Steuern und Verwaltungsaufwand als zweiter Aufgabenblock

Als zweiten großen Themenblock sehen die IV OÖ-Mitglieder die Herausforderungen, die mit neuen Steuern und Abgaben sowie mit Verwaltungsreformthemen verbunden sind. Immerhin 44 Prozent sehen in der Steuer- und Abgabenbelastung und 41 Prozent im Verwaltungsaufwand und in den Behördenverfahren eines der größten oder ein schwerwiegendes Probleme der nächsten fünf Jahre. „Dieser überaus hohe Wert dürfte von der Sorge getragen sein, dass neue Steuern und Abgaben für die Industrie geschaffen werden und zur Verschlechterung der Standortqualität führen könnten", interpretiert IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch das Umfrageergebnis. Die Ursache dafür sei, dass seitens der Bundespolitik fast ausschließlich über eine einnahmenseitige Budgetsanierung gesprochen werde: „Echte Verwaltungsreformen, über die Einsparungsmöglichkeiten realisiert werden könnten, werden überhaupt nicht oder nicht in jener Konsequenz durchgeführt, wie es notwendig wäre!"

Linz, 30. Juli 2010

 

Pressekontakt:

Industriellenvereinigung Oberösterreich / Tel. (0732) 78 19 76-0

DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch / j.grutsch@iv-net.at



IV OÖ GF-DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch
IV OÖ GF-DI Dr. Joachim Haindl-Grutsch




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