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[ 16.06.2010 ]
Generationengerechtigkeit und Kostenexplosion erfordern dringende Anhebung des faktischen PensionsaltersDie Jugend verliert das Vertrauen in das österreichische Pensionssystem. Das Erkennen des Ernstes der Lage und die Verteidigung eines zwischen den Generationen ungerechten Systems lösen zusehends Resignation und Frustration unter der jungen Generation aus.Auch wenn die Politik nicht müde wird darzulegen, dass das Pensionssystem finanzierbar wäre - mittelfristig ist das österreichische Pensionssystem in dieser Form laut einhelliger Einschätzung von Experten nicht leistbar. „Dieser Umstand ist den jungen Menschen in unserem Lande bewusst", erklärt Dipl.-Ing. Christoph Merckens, Vorsitzender der Jungen Industrie Oberösterreich (JI OÖ): „Im Sinne der Generationengerechtigkeit und auch wegen der bevorstehenden Kostenexplosion bei den Pensionen gilt es rasch zu handeln. Rasch deswegen, weil Veränderungen im System mit langen Reaktionszeiten verbunden sind und erst in einigen Jahren den gewünschten Erfolg zeigen. Umso wichtiger ist es, die wenigen kurzfristigen Möglichkeiten zu nutzen!"
Laut Merckens kranke das österreichische Pensionssystem vor allem daran, dass sich ändernde Rahmenbedingungen - insbesondere die Entwicklung der Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung - keine Berücksichtigung finden und eine generelle Reformunwilligkeit unter den nahezu ausschließlich älteren Entscheidungsträgern wichtige Schritte verhindern. „Die Jugend ist als der aktuelle und zukünftige Träger des Systems in den ohnehin nur zögerlichen Reformdebatten unterrepräsentiert. Diese Ungerechtigkeit muss dringend behoben werden", fordert der JI OÖ-Vorsitzende.
Länder wie Holland oder Schweden haben bereits aufgezeigt, dass auch ein starres System und ein Thema, das in höchstem Maße emotional besetzt ist, im Sinne der Generationengerechtigkeit veränderbar und fair auszugestalten ist, ohne dabei Angst und Unsicherheit unter der älteren Bevölkerung auszulösen. Die Basis für einen solchen Prozess in Österreich muss zunächst in einer „Entpolitisierung" des Systems und vor allem in einer Stärkung der jüngeren Generation gelegt werden.
Anhebung der Lebensarbeitszeit Daneben gilt es, so rasch als möglich konkrete Maßnahmen zu setzen, um die Pensionsbelastungsquote nicht in prognostizierte Höhen ansteigen zu lassen - die demographische Entwicklung unseres Landes lässt dafür allerdings nicht viel Zeit. „Umso wichtiger ist es, ehestens mit den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten die Lebensarbeitszeit wieder anzuheben", so Christoph Merckens. Letztere hat sich seit dem Jahr 1970 von durchschnittlich 44,1 auf 36,1 Jahre (2005) verkürzt, während sich die Zeit der Nichterwerbstätigkeit - also die Summe aus durchschnittlicher Ausbildungszeit und Pensionsbezugsdauer - von 25,8 auf 46,6 Jahre beinahe verdoppelt hat. Zum einen stieg die durchschnittliche Ausbildungszeit von 17 auf 22 Jahre an, zum anderen erhöhte sich die durchschnittliche Pensionsbezugsdauer von 8,8 auf 24,6 Jahre.
Als Konsequenz daraus liegt die Pensionsbelastungsquote heute bereits bei 557 Pensionen, die auf 1.000 Versicherungsverhältnisse entfallen. Bis zum Jahr 2025 wird sie auf 634 Pensionen steigen und im Jahr 2060 werden - bei Weiterführung des bisherigen Systems - rund 900 Pensionen 1.000 Versicherungsverhältnissen gegenüber stehen. „Es führt also kein Weg daran vorbei: Die Lebensarbeitszeit muss wieder verlängert werden", postuliert Merckens.
Pensionsantrittsalter von Männern und Frauen angleichen Neben der Angleichung des faktischen an das rechtliche Pensionsalter ist dies vor allem die frühere Angleichung des Antrittsalters der Frauen an jenes der Männer. Da sich die Lebenserwartung der Menschen in unserem Land kontinuierlich verlängert und jenes der Männer bis zum Jahr 2060 auf 84,4 Jahre bzw. jenes der Frauen auf 88,7 Jahre ansteigen wird, muss neben dem vorrangigen Anliegen, das tatsächliche Antrittsalter an das gesetzliche heranzuführen, auch das gesetzliche Pensionsantrittsalter angehoben werden. Jenes der Frauen liegt derzeit bei 60 Jahren.
Ab dem Jahr 2010 wird es schrittweise an das gesetzliche Antrittsalter der Männer von 65 Jahren herangeführt und dieses erst im Jahr 2033 endgültig erreichen. „Auch wenn diese Übergangsbestimmung verfassungsmäßig verankert ist, ist ihre Sinnhaftigkeit zu hinterfragen", meint Christoph Merckens. Zum einen entledige man sich dadurch der Chance, den Staatshaushalt zu entlasten, zum anderen wäre eine raschere Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters von Frauen auch ein wichtiges beschäftigungspolitisches Signal zur tatsächlich längeren Beschäftigung von Frauen: „Ab 2015 wird es durch die geburtenschwachen Jahrgänge zu einem Knick am Arbeitsmarkt kommen; die Wirtschaft wird auf die weiblichen Arbeitskräfte angewiesen sein."
Harmonisierung der Pensionssysteme Zusätzlich ortet die JI OÖ noch weitere Möglichkeiten, um bei den Gesamtaufwendungen für Pensionen Einsparungspotentiale zu realisieren und die Generationengerechtigkeit zu verbessern. Einerseits könnte durch die Umsetzung der Rechnungshof-Empfehlungen zur Harmonisierung der Pensionssysteme von Bund, Ländern und Gemeinden ein Volumen von etwa 445 Mio. Euro in den Pensionssystemen der Länder bis 2047 eingespart werden, andererseits gilt es, gleiche Regeln für die Pensionsanpassung sicherzustellen. „Insgesamt geht es darum, die staatlichen Pensionen weiterhin finanzierbar zu halten und die Belastungen für die jüngeren Generationen in einem erträglichen Maß zu halten", so JI OÖ-Vorsitzender Dipl.-Ing. Christoph Merckens. „Die Angst vor den zahlreichen Wählerstimmen der älteren Generationen darf keine Entschuldigung für ungerechte und einseitige Belastungen der Jüngeren sein!"
Die gesamte Presseunterlage finden Sie hier (Word 1MB) .
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