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[ 09.10.2009 ]
Brückenschlag zur internationalen Spitze: Exzellenzstrategie für OÖ 2009-2015:IV OÖ: Jetzt den Aufbruch zur Europäischen Spitzenregion mit Konsequenz und Dringlichkeit verfolgen!IV OÖ-Präsident Pöttinger: Beginn der neuen Legislaturperiode sollte auch der Startschuss für den Sprint an die europäische Spitze sein - Exportchancen nutzen und Attraktivität für Investitionen steigern, um Wachstum zu generieren - Exzellenzstrategie der IV OÖ enthält 9 Handlungsfelder für den Standort Oberösterreich
Während der vergangenen zehn Jahre ist Oberösterreich zur wirtschaftlichen Vorzeigeregion Österreichs und in vielen Bereichen zur Benchmark-Region geworden. Durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Industrie konnten auch die Chancen der Ostöffnung optimal genutzt werden. Selbst in der aktuellen Wirtschaftskrise ist Oberösterreich, das Industrieland Nummer eins, jenes Bundesland mit der geringsten Arbeitslosenquote. „Die Krise zeigt, wie wichtig es ist, auf möglichst vielen industriellen Standbeinen zu stehen. Hier hat Oberösterreich aufgrund seiner vielfältigen Branchenstruktur echte Vorteile", sagt dazu Dipl.-Ing. Klaus Pöttinger, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ). POLITISCHE GRÜNDE FÜR EINE EXZELLENZSTRATEGIE Die erst kürzlich geschlagene Landtagswahl und der damit verbundene Beginn der neuen Legislaturperiode bieten aus Sicht der Industrie die Chance für den so wichtigen Aufbruch, um zu der europäischen Spitzenregion aufzuschließen. „Einerseits ist damit der Wahlkampf beendet und die Zeit der sachlichen Arbeit gekommen, andererseits bietet das Wahlergebnis der neuen Landesregierung die Möglichkeit für ein entschlossenes Handeln", meint der IV OÖ-Präsident. Die Politik brauche nun wieder Realitätsbezug und ausreichend Weitblick für die Topthemen der Zukunft: „Es stehen weitreichende Weichenstellungen an, die auf breiter Basis erfolgen müssen, fordert Pöttinger. Die sechs Jahre laufende Legislaturperiode in Oberösterreich macht es in diesen wirtschaftlich turbulenten Zeiten erforderlich, den Fokus des Regierungsprogramms auf die kommenden drei Jahre zu legen. „Nach einer exakten Midterm-Evaluierung sollten dann Adaptierungen für die zweite Hälfte der Legislaturperiode erfolgen", meint Pöttinger. „Auch personelle Kontinuität und keine Experimente in der Krise sind deshalb unsere klaren Forderungen im Wirtschaftsressort des Landes"!
WIRTSCHAFTLICHE GRÜNDE FÜR EINE EXZELLENZSTRATEGIE Neben diesen politischen Rahmenbedingungen in Oberösterreich sind es vor allem wirtschaftliche Gründe, die eine Exzellenzstrategie für Oberösterreich notwendig machen. Die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise belastet die öffentlichen Haushalte massiv. Gleichzeitig ist zwar eine leichte Konjunktur-Erholung im Gang, ein Aufschwung ist aber nicht in Sicht. Viele von der Krise besonders stark betroffene Branchen werden erst im Laufe des nächsten Jahrzehnts wieder die Umsatzniveaus des Jahres 2007 erreichen. Positiv ist, dass im Jahr 2010 außerhalb Europas in vielen Nationen wieder Wachstum vorhanden sein wird. Umso wichtiger ist es, die Rahmenbedingungen für die Industrie so weiterzuentwickeln, dass die Betriebe international noch wettbewerbsfähiger werden und die Exportchancen in den Wachstumsregionen der Welt nutzen können. Gleichzeitig muss Oberösterreich noch attraktiver für Investitionen werden. Diese Maßnahmen führen zu mehr Wachstum in Oberösterreich, das notwendig ist, um den Problemen am Arbeitsmarkt und budgetseitig begegnen zu können.
9 HANDLUNGSFELDER FÜR DIE NÄCHSTEN 6 JAHRE Aus Sicht der OÖ. Industrie ist die gemeinsame Umsetzung einer Exzellenzstrategie für den Wirtschaftsraum Oberösterreich oberstes Ziel, um innerhalb der nächsten Legislaturperiode die bestehenden Strukturschwächen zu beseitigen und mehr Wachstum zu generieren. Die IV OÖ stellt hierzu nachfolgend neun zentrale Aufbruchspunkte in den Mittelpunkt, die es ermöglichen, zu den europäischen Spitzenregionen aufzuschließen. Es handelt sich um Maßnahmen, die eine besonders starke Hebelwirkung auf den Standort Oberösterreich haben und einen massiven Qualitätssprung bewirken.
OBERÖSTERREICH ALS BENCHMARK IN DER SCHULPOLITIK Ein exzellentes Bildungssystem stellt die Grundvoraussetzung für den Erfolg des Industrielandes Oberösterreich dar. Ein Engpass an gut ausgebildeten Mitarbeitern ist eine zentrale Wachstumsbremse. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs ist DIE Schlüsselmaßnahme für den zukünftigen Erfolg des Landes. Oberösterreich konnte sich während der letzten Jahre in vielen Bereichen eine Benchmark-Position erarbeiten. Im Schulbereich ist dies noch nicht gelungen. Oberösterreich sollte daher vorangehen und eine „Front-Runner"-Strategie mit neuen Wegen einschlagen. Die IV OÖ schlägt dazu folgende Maßnahmen vor:
WEITERE VERBESSERUNGEN IM ÖFFENTLICHEN SEKTOR In der oberösterreichischen Verwaltung wurden in den letzten Jahren deutliche Verbesserungen erzielt. Für die nächsten Jahre stehen folgende Maßnahmen im Mittelpunkt:
ENERGIEPOLITIK: F&E FÖRDERN, WASSERKRAFT AUSBAUEN Energieeffizienz und neue Energietechnologien werden zu weltweiten Schwerpunktthemen, in denen die OÖ. Industrie umfangreiches Know-how anbieten kann. Voraussetzung dafür ist die Umsetzung einer ideologiefreieren Energiepolitik des Landes, die zu keinen Marktverzerrungen durch einseitige Zielsetzungen und Grenzwertverschärfungen in Oberösterreich bzw. bundesweit und zu Wettbewerbsnachteilen für die energieintensiven Betriebe führen darf. Eine zukunftsorientierte Energiepolitik stellt die Förderung von neuen Technologien und Forschung und Entwicklung in den Mittelpunkt. Aktuellen Studien zufolge ist der Ausbau der Energiegewinnung mittels Wasserkraft in Oberösterreich weiter möglich. Derzeit werden ca. 80 Prozent des Potenzials genutzt. Ein Potenzial von 800 bis 1.000 GWh ist aus Sicht der IV OÖ mittelfristig realisierbar. Der Ausbau der Wasserkraft bringt uns nicht nur dem Ziel der autonomeren Energieversorgung und des Klimaschutzes näher, er schafft auch unmittelbar Arbeitsplätze. Zusätzlich besteht Potenzial an Speicher- und Pumpspeicherkraftwerken. VORAUSSCHAUENDE RAUMORDNUNG Raumordnung ist die Basis für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Für die Industrieinvestitionen und Infrastrukturprojekte von morgen müssen jetzt Flächen und Korridore gesichert werden. Die wichtigsten Infrastrukturprojekte der OÖ. Industrie, die eine starke Verbesserung der Anbindung Oberösterreichs an die zentralen Knotenpunkte München, Berlin und Koper ermöglichen, sind:
FORSCHUNGSQUOTE VON 4 %, 100 MIO. EURO F&E-BUDGET DES LANDES Internationale Spitzenregionen erreichen eine F&E-Quote von 4 Prozent des Bruttoregionalproduktes. Die Anhebung der F&E-Quote Oberösterreichs auf 4 Prozent im Laufe der nächsten Legislaturperiode bleibt trotz bzw. gerade wegen der aktuellen Krise ein zentrales Ziel der IV OÖ. Mehr als 80 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Oberösterreich kommen vom Unternehmenssektor. Die direkte Forschungsförderung für die Betriebe wie auch die Unterstützung des Ausbaus der kooperativen Forschung im universitären und außeruniversitären Bereich (JKU, FH, K-Zentren, CD-Labore, FWF- und EU-Mittel) müssen daher im Mittelpunkt stehen. Oberösterreich positioniert sich als Land intensiver Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Besonders in Krisenzeiten sollte die Forschung noch intensiviert werden, die Betriebe brauchen jetzt zusätzliche Anreize. Die Zielsetzung ist ein „echtes" F&E-Budget des Landes von 100 Mio. Euro. Die ständig stark steigenden Budgetmittel im Sozial- und Gesundheitsbereich können zukünftig nur finanziert werden, wenn durch Förderung von Forschung und Innovation wirtschaftliches Wachstum in Oberösterreich gewährleistet wird.
ERSTE PRIORITÄT IM HOCHSCHULBEREICH: AUSBAU DER JKU, SCHWERPUNKT TNF Ein Mangel an hochqualifizierten, kreativen Mitarbeitern würde mittel- bis langfristig zu einer neuen Verlagerungswelle der OÖ. Industrie führen. Aktuell umfasst die Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät an der Johannes Kepler Universität Linz etwas mehr als 3.500 Studenten - deutlich zu wenig für den Industriestandort Oberösterreich im Vergleich zu den führenden Bundesländern Wien oder Steiermark. Daher hat für die Industrie der Ausbau der JKU höchste Priorität. Die nationale und internationale Positionierung der JKU als DIE zukunftsorientierte, eng mit der Industrie kooperierende Universität im Bereich Forschung und Lehre ist erforderlich, um eine Entwicklung in Richtung „ETH Linz" einzuleiten. Der höchste Engpass besteht im Bereich der Absolventen technisch-naturwissenschaftlicher Studienrichtungen. Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, die Studentenzahl an der TNF in Linz während der nächsten Legislaturperiode auf 7.000 Technikstudenten zu verdoppeln.
Der Ausbau des Fachhochschulsektors in Oberösterreich in den letzten Jahren ist eine echte Erfolgsgeschichte. Lehre und Forschung der FH OÖ GmbH befinden sich österreichweit im Spitzenfeld. Im Bundesländervergleich erhält Oberösterreich aber nur 13 Prozent des FH-Budgets des Bundes. Der Ausbau und die Weiterentwicklung der Fachhochschulstudiengänge in Oberösterreich sind klare Interessen der OÖ. Industrie.
INTERNATIONAL STANDORTKONZEPTE FÜR DEN Die Internationalisierung der OÖ. Industrie und der Forschungseinrichtungen, die Ansiedelung ausländischer Konzerne, die Öffnung der Grenzen und die damit verbundene Steigerung der Mobilität stellen neue Ansprüche an den Standort Oberösterreich. Der „war for talents" ist weltweit in vollem Gange. Erfolgreich werden jene Regionen sein, die für Hochqualifizierte aus allen Bereichen ein attraktives Umfeld bieten können. Oberösterreich leidet aktuell an einer Abwanderung von jungen Talenten - einem Brain-Drain. Beispielsweise studieren fast 70 Prozent der oberösterreichischen Unistudenten an einer Universität außerhalb Oberösterreichs. Das Gegenteil - ein Brain-Gain - ist notwendig, um auch in Zukunft als Region überdurchschnittlich zu wachsen.
Die Analyse mehrerer mit Linz vergleichbarer Städte bzw. Regionen zeigte auf, dass auch abseits der Hauptstädte für Regionen in vergleichbarer Größe mit dem Großraum Linz eine internationale Sichtbarkeit und Attraktivität möglich und notwendig ist. Erfolgreiche Städte und Regionen schaffen ein internationales Branding und arbeiten damit kontinuierlich an ihrem Image. Strategische Ansatzpunkte zur Steigerung der Attraktivität des oö. Zentralraumes für (ausländische) Hochqualifizierte sind vor allem international akkreditierte Schulen, englischsprachige Kindergärten in den Bezirken, mehr Weltoffenheit und ein international sichtbares Standortkonzept. Der Zentralraum Linz - Wels - Steyr ist ein industrielles Kraftzentrum von europäischer Bedeutung. Ein gemeinsamer internationaler Auftritt muss der nächste Schritt sein!
OBERÖSTERREICH ALS KREATIVES KRAFTZENTRUM ETABLIEREN, Kreativität ist die Basis für neue Ideen, die zu Innovationen, Wachstum und damit zu mehr Wohlstand führen. Neben der Etablierung eines kreativitätsfördernden Umfeldes auf regionaler Ebene gilt es, verstärkt die Kreativität der Menschen zu fördern und deren Potenziale zu heben. Nur wenn die Ideen der Mitarbeiter auf ein Umfeld treffen, das diese Ideen schätzt, fördert und weiter entwickelt, werden sie ihre Kreativität ausleben und es kann in weiterer Folge zu positiven Veränderungen kommen. Etwa die Hälfte aller Verbesserungen und Innovationen wird aufgrund großer Durchbrüche ermöglicht, während die andere Hälfte auf vielen kleinen Ideen und Vorschlägen basiert.
Oberösterreich sollte daher als kreatives Kraftzentrum etabliert werden: Aus der interdisziplinären Vernetzung der Kreativität beispielsweise von Ingenieuren, Designern oder Künstlern entsteht Innovation und neues Wissen. Die IV OÖ hat sich daher zum Ziel gesetzt, den Faktor Kreativität zu fördern und Kreativität in seiner umfassenden Bedeutung zu einer Kernkompetenz Oberösterreichs zu machen. Damit verbunden ist der Ausbau von industrienahen, wissensintensiven Dienstleistungen in Oberösterreich. Die dominierende Rolle von Oberösterreich im Bereich der industriellen Wertschöpfung muss sich in Zukunft auch im Dienstleistungsbereich widerspiegeln.
WEITERENTWICKLUNG DER CLUSTER ZU KOMPETENZZENTREN FÜR Durch die Globalisierung gewinnen die Regionen und somit eine regionale Wirtschaftspolitik an Bedeutung, regionale Nähe kann als Wettbewerbsvorteil genützt werden. Gleichzeitig steigen durch die Krise der Innovationsdruck und die Innovationsdynamik in den Unternehmen. Je besser das vorhandene Know-how zirkuliert, desto effektiver ist das Innovationsverhalten. Netzwerke und Kooperationen bieten hierfür oftmals den entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Das Clusterland Oberösterreich muss sich zu einem echten Kompetenzzentrum für Kooperationen entwickeln. Dazu müssen die jeweiligen Cluster ihre Rolle als Initiatoren und Förderer von zwischenbetrieblichen Beziehungen verstärken. Zusätzlich zu dieser "Verkupplungsfunktion" müssen sie auch verstärkt als Drehscheibe für Innovationen und Innovationsprozesse fungieren.
Rückfragehinweis: Industriellenvereinigung Oberösterreich Dipl.-Ing. Dr. Joachim Haindl-Grutsch, j.grutsch@iv-net.at Tel. (0732) 781 976-0 |
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