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[ 14.09.2009 ]

Werben um die besten Köpfe

Studie: Oberösterreich muss für ausländische Hochqualifizierte attraktiver und international sichtbarer werden. Die IV OÖ fordert diesbezüglich ein Standortkonzept, international akkreditierte Schulen und mehr Weltoffenheit.

Die Internationalisierung der oberösterreichischen Industrie und der Forschungseinrichtungen, die Ansiedelung ausländischer Konzerne, die Öffnung der Grenzen und die Steigerung der Mobilität stellen auch an den Industriestandort Oberösterreich neue Ansprüche. Der internationale Austausch von Führungskräften und Forschern hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, wie IV-OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch erklärt: „Ausländische Hochqualifizierte kommen verstärkt in den oberösterreichischen Zentralraum, heimische Spitzenkräfte werden vermehrt in ausländische Niederlassungen unserer Unternehmen entsandt." Gleichzeitig sehe sich Oberösterreich mit einem beachtlichen Brain Drain - einem Abfluss von Hochqualifizierten - konfrontiert. „Als Industriebundesland Nummer eins bräuchten wir einen Brain Gain und damit eine Zuwanderung von Spitzenkräften", meint Haindl-Grutsch. Somit stehe Oberösterreich in einem Wettbewerb um die besten Köpfe aus Industrie, Wissenschaft und Kreativbereich.

Soft facts werden wichtiger
Da sich die europäischen Regionen hinsichtlich ihrer „harten Standortbedingungen" wie Infrastruktur oder Steuerpolitik immer weiter angleichen, gewinnen Soft facts sowohl bei der Standortentscheidung internationaler Konzerne als auch bei der Zuwanderung von Expatriates immer mehr an Bedeutung. Diese Faktoren ließ die IV OÖ im Rahmen einer Studie unter die Lupe nehmen. „Beim Bedienen von Anfragen, der Bereitstellung von Betriebsflächen oder der Abwicklung von Genehmigungsverfahren ist Oberösterreich vorbildlich. Wenn es darum geht, Expatriates zu servicieren, aktiv um Hochqualifizierte zu werben oder eine international sichtbare Headquarterpolitik zu betreiben, haben wir Aufholpotenzial", interpretiert Haindl- Grutsch die Ergebnisse der Untersuchung.

Mehrere Schlüsselfaktoren
Bei der Frage, welche Rahmenbedingungen bei der Entscheidung von internationalen Spitzenkräften, sich in einem bestimmten Land niederzulassen, ausschlaggebend sind, kristallisierten sich mehrere Schlüsselfaktoren heraus. Neben den beruflichen und karrierebezogenen Möglichkeiten als Grundvoraussetzungen fließen auch Basisansprüche an das tägliche Leben der Expatriates und deren Familien wie Verständigung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, Lebenskosten, globale und digitale Vernetzung oder Klima und Umweltbelastung maßgeblich in die Entscheidung mit ein. Auch gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen wie Toleranz, Vertrauen und die vorherrschende Unternehmenskultur sowie die Nähe zu Metropolregionen, der Lebensrhythmus oder die Freizeitmöglichkeiten werden berücksichtigt. Aus Sicht der hier ansässigen Expatriates verfügt Oberösterreich vor allem bei den Life-Balance-Faktoren über manche Vorteile, allerdings sei der Support für frisch angekommene Spitzenkräfte deutlich zu verbessern. Beispielsweise existieren große Informationsdefizite bei der Suche nach Wohnmöglichkeiten oder überhaupt bei der Verfügbarkeit von Informationen in englischer Sprache. Insbesondere die Begleitung bei der Erledigung behördlicher Angelegenheiten und die Verfügbarkeit von Kinderbetreuungsmöglichkeiten und internationalen Schulen sind dringend zu verbessern.

Internationales Branding
Aus Sicht der IV OÖ müssen eine ganze Reihe von Handlungslinien umgesetzt werden. Beispielsweise gilt es, einen „Expressschalter" zur raschen Abwicklung von Behördengängen einzurichten, die Karrieremöglichkeiten für hoch qualifizierte Wissenschafter zu verbessern, um diese am Standort halten zu können, sowie die Verfügbarkeit von englischsprachigen Kindergärten in allen oberösterreichischen Bezirken zu erhöhen. „Vor allem müssen im Zentralraum öffentlich zugängliche, international akkreditierte Schulen errichtet werden, um eine durchgängige internationale Schulausbildung zu gewährleisten und die internationale Sichtbarkeit der Ausbildungsmöglichkeiten in Oberösterreich zu verbessern. Die Analyse mehrerer mit Linz vergleichbarer Städte und Regionen hat v. a. eines aufgezeigt: Auch abseits der Hauptstädte ist eine internationale Sichtbarkeit und Attraktivität möglich und notwendig. Die Initiative der Stadt Basel unter der Marke "Metrobasel" ist dafür ein hervorragendes Beispiel. Erfolgreiche Städte schaffen ein internationales Branding und arbeiten an ihrem Image - das wäre auch für Linz und Oberöster reich wünschenswert", meint IV-OÖ-Geschäftsführer Haindl-Grutsch: „Der Zentralraum Linz - Wels - Steyr ist ein industrielles Kraftzentrum von europäischer Bedeutung. Ein gemeinsamer internationaler Auftritt muss der nächste Schritt sein!"



Univ.-Prof. Dr. Serdar Sariciftci, IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch und Dr. Alfred Stern von der Borealis Polyolefine GmbH analysierten den Standort Oberösterreich aus der Sicht von Expatriates.
Univ.-Prof. Dr. Serdar Sariciftci, IV OÖ-Geschäftsführer Dr. Joachim Haindl-Grutsch und Dr. Alfred Stern von der Borealis Polyolefine GmbH analysierten den Standort Oberösterreich aus der Sicht von Expatriates.




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